Montag, 12.07.2010
Um 09.30 Uhr sind wir in Herborn gestartet. Vom Bahnhof aus ging es erst in die sehenswerte Altstadt.
 
Altstadt Herborn
Aus Herborn raus ging es relativ steil hoch, dann nahmen wir eine Abkürzung über die Autobahnbrücke nach Uckersdorf. Dort rieten uns zwei ältere Damen, auch weiterhin über den Rothaar-Steig-Verbindungsweg zu gehen, der sei wesenlich angenehmer zu laufen. War er wohl auch, weil er nicht so kräftige Anstiege hatte, dafür war beim Untergrund einiges an Asphalt. Gegen Mittag waren wir in Breitscheid, leider hatte keine Gasthaus geöffnet, viele gab es davon eh nicht. Odo besorgte Bier im Getränkemarkt, wir setzten uns einfach in den Biergarten des Gasthauses "Galerie". Wir hattten kaum die Hälfte aus unserer Flasche getrunken, da kam die Wirtin. Wir erwarteten ein Donnerwetter, doch wir hatten keinen Streit, sie unterbrach für uns ihre Mittagspause und lieferte uns noch ein Frischgezahpftes. "Ihr seid aber mutig", meinte sie nicht im Hinblick darauf, dass wir ihren Biergarten annektiert hatten, sondern weil wir bei der Hitze Bier tranken. Odo erklärte, dass nur ein kühles Bier die Lebensgeister wach halten kann.

Ein kühles Bier weckt die Lebensgeister
Gut zwei Kilometer weiter war die nächste Einkehrmöglichkeit am Landeplatz Breitscheid. Wir überlegten nicht lange und nutzen auch die, weil wir ja nicht wussten, was uns für den Rest des Tages noch erwartete. Danach gingen wir im großen Bogen um den Landeplatz herum, dann machten wir einen ziemlichen Fehler. Zunächst verpassten wir einen Abzweig und kamen direkt nach Heisterberg hinein, nur auf dem Steig waren wir damit nicht mehr. Als wir das "W" wieder fanden, gingen wir zunächst richtig, verloren es dann wieder, als es wieder auftauchte, folgten wir in der Gegenrichtung. Insgesamt waren es etwa 4 km Umweg. So kamen wir erst gegen 19;00 Uhr an der "Fuchskaute" an. Das war aber nicht schlimm, denn immerhin hatten wir zwei Tagestouren unseres Führers an einem Tag gemacht und schon den höchsten Punkt unserer gesamten Wanderung erreicht. Das Buffet für 12,50 € war Klasse, vor allem die Fischspezialitäten hatten es uns angetan. Ich kam gar nicht mehr zum Fleischessen, weil ich schon vorher voll war. Sehr gemütlich war es allerdings nicht, dafür ist die Fuchskaute einfach zu riesig und zu einem Massenbetrieb geworden. Die Zimmer waren nicht groß und eher durchschnittlich ausgestattet, mit 30 € pro Person aber auch recht günstig.
 
Landeplatz Breitscheid( links) Fuchskaute (rechts)

Zimmer in der Fuchskaute
Dienstag, 13.07.2010
Das Frühstücksbuffet in der Fuchskaute war genau wie das Abendbuffet einfach Spitze. Wir hätten sogar Sekt trinken können. Los gingen wir um halb neun. Es war windstill, die Windräder bewegten sich nicht. Am frühen Morgen war es auch noch angenehm kühl. Bis Rehe machten wir einige Bögen, insgesamt war es aber eine anmutige Landschaft ohne große Höhenunterschiede. In Rehe gab es ein schönes Fachwerk-Rathaus.
 
Das Rathaus in Rehe
Die Krombach-Talsperre wurde im weiten Bogen umgangen. Wir rätselten, ob die Krombach-Talsperre etwas mit dem berühmten Bier zu tun hat, das wir gar nicht so gerne trinken. Wir kamen zu dem Schluss, eher nicht, denn die Talsperre, die beim "Tatort" gezeigt wird, sieht ganz anders aus. Außerdem liegt Krombach in der Nähe von Olpe. Um 12:00 Uhr nach einem Bogen über die Felder Ankunft in Rennerod, das uns nicht besonders gefiel, viel kleinstädtische Hektik mit viel Autoverkehr. Aber die Einkehr ist empfehlenswert: "Die Scheune", die zum Hotel Röttger gehört, ein ganz uriges Lokal. Wir saßen natürlich draußen im ruhig gelegenen Biergarten unterm Sonnenschirm. Hitze weit über 30 Grad.
 
Die "Scheune" in Rennerod
Als wir gegen 13:00 Uhr weitergingen, hatten wir noch nicht die Hälfte des Weges hinter uns, und zum Schluss wurden es über 30 Km. Doch es war weniger anstrengend als am Vortag, wenig Anstiege, schöne Einkehren am "Großen Weiher" und im Dorfgasthaus von Gemünden, wo wir die Abkürzung genommen hatten. Ankunft um 19:30 Uhr, Übernachtung im Gashaus "Zum Adler" in Westerburg in der Bahnhofsstraße. kroatische Küche, Odo aß Lamm und ich "Mixed Grill". Die Fleischportion war riesig. Wir saßen den ganzen Abend im Biergarten, der sehr gut besucht war. Kurz von 23:00 Uhr lagen wir im Bett. Zimmer einfach, Bad nebenan, Toilette etwas weiter, aber fußläufig erreichbar. Sehr gute Matratze. Übernachtung für 25,- € incl. Frühstück.
 
Großer Weiher
 

Hotel "Zum Adler" in Westerburg
Mittwoch, 14.07. 2010
Ab Westerburg ging es erst einmal richtig zur Sache. Steil bergauf, vorbei am Bahnhof und immer noch aufwärts. Da der Westerwald-Steig einen riesigen Bogen um Westerburg macht, haben wir ihn am Vortag verlassen. Nach 4 km hatten wir ihn dann wieder. Da wir uns mit einem einkehrlosen Vormittag nicht abfinden wollten, verließen wir den Steig bald wieder und gingen über Rothenbach. Schöne Einkehr im Biergarten von "Lefti", mit einem griechischen Wirt. Ich aß eine Jägerfrikadelle, Odo kleine Fische aus der Pfanne. Unter dem großen Sonnenschirm war es nicht ganz so heiß.
 
 
Speisen bei "Lefti" in Rothenbach
Nach Rothenbach ging es wieder aufwärts, den Einstieg zum Westerwaldsteig haben wir gut gefunden, Nur den Abstecher nach Freilingen rein hätten wir uns schenken können, Hedy's Landgaststätte öffnete erst um 17:00 Uhr. Kurz vor dem Verdursten kamen wir zum Campingpaltz "Am Postweiher".Nette Einkehr, wieder draußen. Odo und ich konnten sich allerdings nicht darüber einigen, ob der Inhaber der Gaststätte nun ein Italiener, Pole oder Rumäne war. Na ja, eigenlich war das auch egal...
Schön, ruhig und weitgehend eben war der weitere Weg bis Dreifelden. Das Gasthaus "Zum Seeweiher" ist ein richtiges Dorfgasthaus, direkt neben der 1000-jährigen Kirche. Wir haben ein sehr schönes Zimmer, gutes Essen, wir sind sehr zufrieden. Die Bedienung wurde von uns erst für die Wirtin gehalten. War sie aber nicht. Sie wohnt in Bad Marienberg, ursprünglich kommt sie aus Ungarn.
 
Am Seeweiher
Donnerstag, 15.07.2010
Kurz vor dem Frühstück: Gestern ist noch ein dickes Gewitter mit Platzregen herunter gekommen. Wir mussten aus dem Biergarten des Gasthauses "Zum Seeweiher" ins Innere fliehen. Odo lief noch ganz schnell nach oben um die Fenster zu schließen, dann begann der Sturm und der Regen prasselte nieder. Durch das Gewitter hat es sich heute etwas abgekühlt. Die Kirchturmuhr hat sich in der Nacht mehrmals gemeldet. Das störte doch etwas die dörflich friedliche Nachtruhe.
 
Dreifelden
19:15 Uhr: Heute war es super. Als wir in Dreifelden losgingen, war es wirklich angenehm kühl. Wunderschön geführter Weg bis zur Wiedquelle. Auf dem Wegstück war meistens Rindenmulch, sodass man wunderbar gehen konnte.
 
An der Wiedquelle
An der Alpenroder Hütte auf 513 m Höhe (Slogan: "Oft kopiert, nie erreicht") trafen wir kurz nach elf ein, die Wirtin hatte das Haus gerade geöffnet. Danach ging es mit vielen Schlenkern nach Enspel. Inzwischen war die Hitze zurückgekehrt. In der roten Info-Box am Basaltmuseum bekamen wir etwas zu trinken. Der Stöffelpark ist erst noch im Aufbau, trotzdem kam schon einiges an Besuchern. Für Kinder gibt es Aktionen mit Werkzeug.
 
Dann kamen wir an den Stadtrand von Hardt, weiter ohne Pause nach Langenbach. In Bad Marienberg hatten wir uns in der "Hubertusklause" angemeldet. Das Haus war nicht zu verfehlen, weil man schon in einiger Entfernung die Schnitzelküche roch. Das Haus gefiel uns erst auf dem zweiten Blick, dann aber recht gut. Das Zimmer mit Balkon war in Ordnung, die Schnitzel in XL-Version allerdings unschaffbar. Odo musste bei "M" schon kämpfen, und auch mein Holzfällersteak habe ich kaum geschafft. Neben uns saßen welche, die schafften ihre Portion. Haben dafür aber sehr viel Zeit gebraucht.
Freitag, 16.07.2010
19:20 Uhr: Heute war, genau wie gestern, alles super. Kurz nach halb neun sind wir von der "Hubertus-klause" gestartet, am frühen Morgen roch es auch nicht nach Bratfett auf den umliegenden Straßen.
 
Wir ließen den Ort hinter uns, nachdem wir Geld aufgetankt hatten. Schon bald erreichten wir den Basaltpark. Von dort ging er ziemlich heftig bergauf bis zum Wildpark. Irre empfanden wir das "Wildpark-Hotel" mit dem vier Sternen, bei dem sich das Restaurant oben um 360 Grand drehen lässt. Wir konnten in der Nähe des Hotels aber wenig Leben entdecken, sodass wir schon fast den Verdacht hatten, es sei geschlossen. endgültig haben wir das aber nicht geklärt.
 
Weiter ging's zum Großen und Kleinen Wolfstein. Der nächste markante Punkt war das Bergschlösschen, leider auch tote Hose. Die erste Einkehr hatten wir erst in Hachenburg in der Pizzeria Pepe am Markt, typisch italienischer Familienbetrieb. Der Markt war wirkllch pittoresk, die katholische Kirche absoluter Barock. Mitten auf dem Platz der Löwenbrunnen mit dem zweischwänzigen Löwen, lateinisch "leon penis duplex". Wir haben alles mit Fotos festgehalten.
 
Hachenburg
Nach Marienstadt haben wir die Abkürzung über den "K" Weg genommen, vorbei an der Nister-Mühle, wo wir auf Spuren von Konrad Adenauer gestoßen sind, der sich hier 1944 als "Dr. Weber" vor den Nazis vesteckt hat. Beim Kloster Marienstadt haben wir im Biergarten gesessen, das "Naturtrübe" entdeckte ich erst später, weil es als normales Helles angeboten wurde. Nach einem kleinen Rundgang durch die Klosteranlagen gingen wir weiter.

Krone in Hachenburg (links) Nister-Mühle (rechts
Nach dem Kloster ging es noch einmal richtig hoch. Trotzdem war es nur ein Spaziergang bis zur "Limbacher Mühle". Das ist ein Spitzenhaus, große Zimmer, riesige Terrasse. Wie das Essen ist, wissen wir noch nicht. Blick auf die grünen Wiesen. Leider ziehen Cirrus-Wolken auf, die bedeuten Wetteränderung. Aber wie heißt der alte Spruch? "Bei Frauen und Cirren kann man sich irren". Nach uns sind noch die zwei Frauen eingetroffen, die auch wandern, aber nur übers Wochenende.
 
Kloster Marienstadt
Samstag, 17.07.2010
Die Wetteränderung ist wirklich eingetroffen, war aber trotzdem einigermaßen moderat. In der Nacht hat es einige Male stark geregnet, ein paar Tropfen fielen noch, als wir losgingen. Trotzdem brauchten wir die Regenkleidung nicht anzuziehen, d.h., ich zog meine noch vor dem Abmarsch wieder aus. Zuerst gingen wir durch Wiesen, dann aufwärts zur "Spitzen Ley". Am alten Schieferbergwerk war es sehr interessant, wir stiegen über Leitern bis nach unten in das Innere des Stollens. Als wir oben waren, trafen wir Wanderer, die auf dem Marienweg unterwegs waren, sich aber ein bisschen verlaufen hatten.
 
Bis zur ersten Einkehr dauerte es noch, die fanden wir erst im Gasthaus "Zum Nisterstrand". Inzwischen war die Sonne wieder heraus gekommen, sodass wir draußen sitzen konnten. Odo aß einen Fitness-teller, ich eine Bockwurst mit fantastischem selbstgemachten Kartoffelsalat.
Der groß angekündigte alpine Steig war harmlos, dann ging es noch einmal sehr steil hoch zum Sonnenberg. Der Rest zog sich noch, um viertel vor sechs kamen wir in Marienthal an. Wir sind im "Waldhotel Imhäuser", großes Haus, wenige Gäste. Der Ort hat sowieso jede Menge Überkapazitäten, richtig voll ist er wahrscheinlich nur, wenn die Wallfahrer kommen. Die beiden Wanderinnen sind auch hier.
 
Marienthal
Sonntag, 18.07.2010
Aus Marienthal raus war einfach eine Genussstrecke, weil alles stimmte. tolles Wetter, schöne Landschaft. Anfangs hatte uns noch der Chorgesang aus der Klosterkirche begleitet. Wir bestiegen den Raiffeisenturm mit seinen 117 Stufen, toller Rundblick. Weiter nach Oberirsen, immer noch viel schattige Waldstrecke, die wir bei der Hitze gut gebrauchen konnten. Dafür hatten wir nach Weyersbusch offene Landschaft und kaum Schatten. Der Weg machte einen ziemlichen Zick-Zack-Kurs. Eine Überraschung erlebten wir in Forstmehren: ein Zeltfest fand mitten auf dem Westerwald-Steig statt, wir aßen ein Stück Kuchen zum Bier. Gegrilltes gab es noch nicht. Beim Weitergehen wurden wir noch vor einem aggressiven Bussard gewarnt, der schon einige Passanten angegriffen hatte. Wir sahen auch Warnschilder und einen Raubvogel kreisen. Doch der Vogel hielt sich zurück.
 
Unsere Annahme, das"Landhaus Mehren" sei direkt am Steig, erwies sich als falsch, wir mussten noch 2 km weiter nach Selten gehen. Trotzdem haben wir mit dem Gasthaus einen Glücksgriff getan. Schon als wir ankamen, war im Biergarten unheimlich was los. Ein Engländer spielte auf der Gitarre. Claptons "Tears in heaven" und auch der "Schöne Gigolo" waren dabei. Am Abend war es noch richtig kommuni-kativ und stimmungsvoll. Ein älteres Paar setzte sich an unseren Tisch: Eleonore Müller und Ehemann, hatten früher mal eine Holzhandlung. Sie hatte wohl das Sagen und war sehr bestimmend, der Mann war schon vom Schlaganfall gezeichnet, aber sehr humorvoll. Es war als Kriegsgefangener als Bombenentschärfer auf Korsika. Später setzte sich noch einmal der Gitarrenspieler an unseren Tisch und besang auf unseren Wunsch wieder die "Tears in heaven". Er wollte eigentlich noch bleiben, aber seine Frau drängte.
Montag, 19.07.2010
Heute morgen waren wir bei der Abrechnung wirklich angenehm überrascht. Für das Doppelzimmer, das praktisch aus drei Räumen bestand, bezahlten wir 46,- €, und das einschließlich eines sehr guten Frühstücks.
 
Wir mussten fast wieder nach Mehren zurück, um auf den Steig zu kommen. Dann begann ein sehr schöner Weg, immer mit viel Schatten. Um viertel vor zwölf erreichten wir Flammersfeld, wo wir in den "Ratsstuben" einkehrten. War nicht aufgemotzt, links von uns nahmen zwei Rentner ihr Stammessen ein. Hinter Döttesfeld wollte Odo über den Klettersteig, hat aber nicht den richtigen Einstieg gefunden. An der "Grenzbachmühle" erlebten wir zunächst eine Überraschung. Niemand konnt sich an Odos Zimmer-Reservierung erinnern, es war auch nichts notiert. Dann stelllten wir fest, dass Odo die Telefonnummern verwechselt hatte und in einem ganz anderen Hotel angerufen hatte, einige Kilometer entfernt und abseits des Steigs. Das konnten wir zum Glück stornieren, denn in der Grenzbachmühle hatte man noch genügend Zimmer frei, sodass wir nicht weiter mussten. Das Zimmer war sehr geschmackvoll eingerichtet, nur für ein 3-Sterne-Hotel ein wenig klein.
 
Grenzbachmühle
Dienstag, 20.07.2010
Von der Grenzbachmühle mussten wir erst einmal aufsteigen nach Horhausen. Dann gingen wir nach Niedersteinebach, wo wir uns bei der Suche nach einer Abkürzung verlaufen haben. Wir waren ziemlich weit aus der Richtung geraten, mussten zurück, konnten uns dann wieder orientieren und kamen an der "Bildeiche" wieder auf den Steig. Wie sagt Kurt immer? "Um eine Abkürzung zu finden ist uns kein Weg zu weit".
In Peterslar war das Gasthaus "Storchennest" geschlossen, aber kurz darauf kam die Wirtin zum Putzen und wir bekamen doch noch etwas zu trinken. Die Dame war in großer Sorge, ihr Mann lag in Koblenz im Bundeswehr-Krankenhaus und wartete auf eine Bye-Pass-Operation nach einem Herzinfarkt. Wir wünschten ihr für ihren Mann alles Gute.
 
Peterslar
Gut, dass wir hier noch einkehren konnten, denn für den Rest des Tages gab es nichts mehr. Der Weg führte zunächst durch viel Wald und mit einigen Anstiegen zum Manrother See, danach wurde es aber öde, zumal die Sonne auf dem schattenlosen Stück unbarmherzig brannte. Wir überquerten die A 3, gingen über die langweilige Hauptstraße des Straßendorfes Ammerich. Erst danach hatten wir wieder zeitweilig Schatten. Dann noch ein Aufstieg nach Strauscheid, wir freuten uns auf die Einkehr nach den Strapazen, zumal unsere Wasservorräte zur Neige gingen. Der "Westerwälder Hof" kündigte sich mit Zetteln an den Bäumen an. Leider hatte er für Wanderer unmögliche Öffnungszeiten. Odo war voraus gegangen und gab schon telefonisch die Nachricht, dass ich Strauscheid besser rechts liegen lassen sollte.

Manrother See
Die Kür zum Roßbacher Häuschen ließen wir aus, nahmen im Gegenteil noch eine Abkürzung durch einen Hohlweg. Odo meldete sich wieder telefonisch und teilte mit, dass im Ort eine große Straßenbaustelle sei, und er bisher nur an geschlossenen Gasthäusern vorbei gekommen sei, auch die von uns anvisierte Post sei zu. Zum Glück fand ich in unserem Verzeichnis noch das Hotel "Zur Mühle", daran war Odo vorbei gelaufen. Dort kamen wir unter. Es ist ruhig gelegen, ein tyisches Hotel für Pensionsgäste. Der Koch aus Berlin hatte schon um halb acht Feierabend, doch für uns machte er kurz vorher noch was zu essen. Odo bekam die letzen Rouladen, die vom Mittag übrig geblieben waren. Ich aß eine Forelle. Aus der Entfernung hörten wir noch einige Gespräche der Pensionsgäste über Reisen und Orte, wo es schön sei, Weisheiten über die Politik ("die wahren Kapitalisten sind die Kommunisten") und die neuesten Anekdoten von Konrad Adenauer und Franz Joseph Strauß, der den Ministerpäsident Gockel abgesägt hat. Das Zimmer war sehr geräumig und hatte einen großen Balkon. Wir setzen uns aber nicht mehr nach draußen, denn sonst hätten wir noch weiter die Gespräche verfolgen müssen.
 
Mittwoch, 21.07.2010
Heute war der letzte Tag auf dem Westerwald-Steig. Zunächst ging der Weg an der inzwischen ziemlich breit geworden Wied entlang. Die Hängebrücke, die wir überqueren mussten, erinnerte uns an Korsika, nur waren da die Hängebrücken ein bisschen abenteuerlicher. Hinter dem Schloss Walbach ging Odo geradeaus, obwohl man nach rechts abbiegen musste. So bemerkte ich ihn nach einiger Zeit wieder hinter mir.
In Hausen war das St. Josefshaus, ein riesiges Altenheim der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz, beeindruckend. In der näheren Umgebung waren noch mindestens zwei weitere Kloster/Altenheime zu sehen. Auch riesig.
 
Nach Hausen ging es gewaltig aufwärts bis zur Skihütte Mahlberg in 367m Höhe. Die hatte sogar geöffnet, was für uns eine freudige Überraschung war. Die Bandnudeln, die ich aß, hatten eine verdammte Ähnlichkeit mit Spaghetti. Danach ging es zum Glück durch den Wald, aber es war noch ein verdammt langes Stück bis Arienheller. Der Weg nach Bad Hönningen rein führte durch ein Industriegebiet und war mehr als ätzend. Im "Bit-Eck" waren wir die einzigen Übernachtungsgäste. Beim abendlichen Rundgang stellten wir fest: in Bad Hönnigen ist augenblicklich an Wochentagen der Hund verfroren, wirklich nichts los, viele geschlossene Kneipen. Eine war geöffnet, laute Musik schallte heraus, aber es war kein Mensch drin. Das Zimmer im Bit-Eck war klein, Toilette und Dusche waren quasi in die Wand eingebaut, ein Korpulenter hätte dort seine Schwierigkeiten gehabt. Auf jeden Fall war der Zimmerpreis günstig, vielleicht haben wir ja auch einen Wanderrabatt bekommen.
 
Donnerstag 22.07. und Freitag 23.07.2010
Den Westerwaldsteig hatten wir zwar beendet, aber wir brauchten noch ein wenig Auslauf und sind deshalb auf dem Rheinsteig noch zwei Tage nach Norden marschiert Die erste Erfahrung, die wir machten, war die Geräuschkulisse vom Straßen-, Eisenbahn- und Schiffsverkehr. Wir lernten das hervorragendes Restaurant mit Rebendach "Zur Traube" in Unkel mit dem Gästehaus "Korf" kennen. Unkel sollte man sich sowieso merken, schöne Altstadt, die direkt an den Rhein grenzt, die Durchgangsstraße ist weit entfernt. Von Unkel bis Königswinter gab es nochmal gewaltige Aufstiege, der Rheinsteig hat gegenüber dem Westerwald-Steig diesbezüglich noch mehr zu bieten. Königswinter enttäuschte uns. Kommt man vom Drachenfels herunter, trifft man an der Drachenfelsttraße auf vergammelte Häuser, geschlossene Gaststätten und einen unebener Parkplatz, wo früher ein Tanzpalast stand. Königswinter muss was tun, will es weiterhin Touristen anlocken. Wir hatten jedenfall keine Lust, dort zu übernachten und sind noch am Abend nach Hause gefahren...
 
Tagebuchauszüge, überarbeitet |